Nährstoffoptimierung | Stufenplan | Diabetes
Dr. Marion Flechtner - Mors
Übergewicht und Gewichtskontrolle - Fragen und Antworten
In den letzten drei Jahrzehnten haben Diäten, körperliche Fitness und eine
gesunde, bewusste Ernährung zunehmend an Popularität gewonnen.
Der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik zufolge werden in diesem
Jahr die Bundesbürger rund 200 Millionen Euro für Schlankheitsmittel
ausgeben.Trotzdem ist Fettleibigkeit inzwischen zu einer Volkskrankheit
geworden. Bereits im Jahre 2003 stellte die WHO offiziell fest, dass nicht
mehr Hunger, sondern Übergewicht zur globalen Massenepidemie geworden sei.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind inzwischen 49 Prozent der
erwachsenen Deutschen übergewichtig. Dabei haben Männer mit 57,7 % häufiger
mit Übergewicht zu kämpfen als Frauen (41,2%). Auch bei Kindern und
Jugendlichen ist die Entwicklung der vergangenen Jahre besorgniserregend.
In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder
und Jugendlichen mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung ist dabei ein
typisches, weltweit in den Wohlstands-nationen auftretendes Phänomen.
Nahrungsmittel stehen im Überfluss und in einer verführerischen Vielfalt zur
Verfügung - Bewegung und Sport kommen jedoch oftmals zu kurz. Wellnessnachrichten.de sprach mit der deutschen Ernährungsexpertin
Dr.
Marion Flechtner-Mors
Frau Dr. Flechtner - Mors, was sind die Ursachen von Übergewicht?
F-M: Übergewicht entsteht, wenn dem Körper mehr Energie in Form von
Nahrungsmitteln zugeführt wird, als er benötigt. Darüber hinaus spielen eine
Reihe weiterer Faktoren eine Rolle: Genetische Ursachen: Die Veranlagung zu
Übergewicht kann vererbt werden. Meistens sind es aber nicht die Erbanlagen,
sondern ein falsches Ernährungsverhalten innerhalb der Familie, das
weitergegeben wird. Medikamente wie die Pille oder Antidepressiva können zu
gesteigertem Appetit führen. Auch hormonelle Erkrankungen und psychische
Faktoren wie Ängste, Stress und seelische Probleme können sich in einer
Gewichtszunahme niederschlagen.
Wie wird man die überschüssigen Pfunde am besten los?
F-M: Unter den vielen Angeboten im Bereich Gewichtskontrolle erweist sich
das proteinmodifizierte Fasten mit so genannten Formula Diäten als besonders
sinnvoll, sofern gleichzeitig eine Ernährungsumstellung erfolgt und Sport
getrieben wird.
Wie kommt der Jo-Jo-Effekt zustande?
F-M: Während eines Gewichtskontrollprogramms lernt der Organismus mit
weniger Nährstoffen auszukommen und der Stoffwechsel wird herunter gefahren.
Sobald man sich wieder wie früher gewohnt ernährt, besteht eine "Überversorgung", welche zur Gewichtszunahme führt.
Welche Rolle spielen Sport und ausreichende Bewegung bei einer
erfolgreichen Gewichtsreduktion?
F-M: Für eine erfolgreiche, dauerhafte Gewichtsreduktion ist Sport wichtig,
da insbesondere durch Kraftsport der Muskelaufbau gefördert wird und sich
das so genannte Magergewicht erhöht. Da Muskelzellen, auch im Ruhezustand,
mehr Kalorien als Fettzellen verbrennen, steigt der Grundumsatz an Kalorien
und der gefürchtete Jojo Effekt wird abgeschwächt. Sport hat zudem einen
günstigen Einfluss auf unser Appetitverhalten und kann dazu motivieren,
dauerhaft seine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten umzustellen.
Was versteht man unter Magergewicht bzw. Magermasse?
F-M: Das Magergewicht ist definiert als Körpergewicht minus Fettanteil, d.
h. es setzt sich aus dem Gewicht der Muskeln, Knochen und anderen fettfreien
Geweben zusammen. Es ist die wichtigste Bestimmungsgröße für den
Ruheenergieverbrauch, also die Energie, die der Körper im Ruhezustand zur
Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen benötigt. Je höher die Magermasse
ist, desto mehr Kalorien werden im Ruhezustand verbraucht.
Warum sättigen Proteine besser als Kohlenhydrate und Fette?
F-M: Proteine verbleiben länger im Magen als beispielweise Kohlenhydrate,
aber kürzer als Fette. Die ist eine der Ursachen für das länger anhaltende
Sättigungsgefühl. Ein weiterer wichtiger Effekt ist die Beeinflussung des Hu
ngergefühls im Gehirn durch die ins Blut aufgenommenen
Aminosäurebausteine der Proteine. Wie dieser Mechanismus im Detail
funktioniert, ist zur Zeit noch nicht bekannt.
Wann und für wen erweisen sich Nahrungsergänzungsmittel als
besonders sinnvoll?
F-M: Ziel sollte es sein, mit Hilfe einer gesunden und ausgewogenen
Ernährung einem Nährstoffmangel vorzubeugen. Dennoch kann es angebracht
sein, zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. So ist es
gerade im Berufsalltag oftmals schwierig, ausgewogene
Mahlzeiten zuzubereiten. Auch chronisch Kranke, Senioren, Vegetarier,
Schwangere, Stillende, oder auch Hochleistungssportler benötigen häufig mehr
Vitamine und Mineralstoffe.
Warum wird im Zusammenhang mit Diäten immer wieder auf die
Bedeutung ausreichender Flüssigkeitsaufnahme hingewiesen?
F-M: Die meisten Vorgänge im Körper sind von Wasser abhängig. So erfüllt es
vielfältige Aufgaben als Lösungs-, Transport- und Kühlmittel, als Partner
biochemischer Reaktionen und als Baustoff. Wasser wird zum einen direkt über
Getränke aufgenommen, zum anderen enthalten aber auch feste Nahrungsmittel
Flüssigkeit. Darüber hinaus entsteht Wasser auch beim "Verbrennen" der
Nahrung im Körper. Da im Rahmen einer Diät die Nahrungszufuhr normalerweise
verringert wird, ist es daher umso wichtiger, viel zu trinken.
Frau Dr. Flechtner - Mors, wir danken für dieses Gespräch.
Red.
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